Dr. Abdelmalek Hibaoui zur Ausbildung islamischer Seelsorger

Dr. Abdelmalek Hibaoui ist Professor für Islamische Praktische Theologie (Schwerpunkt Seelsorge) am Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) der Universität Tübingen. Er arbeitet als Referent zusammen mit dem Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog e.V. bei der Ausbildung muslimischer Seelsorger. Er war Vorstandsmitglied der International Association of Spiritual Care (IASC) der Universität Bern/Schweiz. Er ist Ausschussmitglied der Society for Intercultural Pastoral Care and Counselling (SIPCC).

 

„Islamische Praktische Theologie (Seelsorge)“

Ausbildung muslimischer Seelsorger am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen

 

Einführung

Das Zentrum für Islamische Theologie der Eberhard Karls Universität Tübingen wurde 2011 gegründet und bietet ein breit gefächertes und fundiertes Studium mit praktischen Anteilen, das seinen Studierenden eine berufliche Praxis erschließen möchte. Dank seiner hervorragenden inneruniversitären und internationalen Vernetzung bietet das Zentrum ideale Voraussetzungen für intensiven interdisziplinären, interreligiösen und interkulturellen Austausch. Die Studierenden erhalten Gelegenheit, ihre fachlichen Interessen zu vertiefen, diese wissenschaftlich zu fundieren und in Form einer Praxis der islamischen Theologie weiterzuentwickeln und umzusetzen.

 

„Islamische Praktische Theologie (Seelsorge)“ als Novum in Deutschland

Der Masterstudiengang „Islamische Praktische Theologie (Seelsorge)“, der im Jahr 2016 mit 10 zugelassenen Studierenden etabliert wurde und nun in diesem Wintersemester 2018/19 mit 19 Studierenden begonnen hat, ist ein Novum in Deutschland. Er ist interdisziplinär und interreligiös ausgerichtet und zielt auf die Ausbildung islamischer Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie die Vermittlung von Handlungskompetenzen für die Arbeitsfelder der Seelsorge, Beratung und sozialen Arbeit ab. Studierende erhalten in diesem Masterstudiengang die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in verschiedenen Praxisfeldern (Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen, Flüchtlingsarbeit, Jugendarbeit, Beratung von Gemeinden, Schulen etc.) zu erproben und zu reflektieren.

 

Fachliche und überfachliche Qualifikation

Der Masterstudiengang „Islamische Praktische Theologie (Seelsorge)“ umfasst vier Semester und ist interdisziplinär ausgerichtet. Die Dozenten kommen aus verschiedenen Bereichen der Seelsorge und Beratung und haben unterschiedliche Hintergründe sowohl in der Theorie (Theologie, Soziologie, Psychologie und Jura) als auch in der Praxis (Gefängnis, Krankenhaus, Flüchtlinge, Jugendarbeit, Gemeinden etc.).

Wissenschaftliche islamisch-theologische Kompetenzen voraussetzend dient der Masterstudiengang dem Erwerb vertiefter theoretischer Kenntnisse und praxisorientierter Fähigkeiten in „Islamischer Praktischer Theologie“ einerseits und dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen für islamische Seelsorge und Beratung andererseits.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Anleitung sowohl zur Aneignung von fach- und methodenspezifischen Sozial- und Selbstkompetenzen als auch zur Befähigung zu deren Umsetzung in Prozessen seelsorgerlicher Begleitung und Beratung.

Der Studiengang verbindet die Vermittlung von theoretischem Grundlagen- und Fachwissen in Islamischer Praktischer Theologie mit dem Einüben in die Praxis Islamischer Seelsorge und Beratung in der gegenwärtigen Gesellschaft. Der hohe Praxisbezug des Studiengangs erlaubt den Studierenden, sich mit islamisch-theologisch relevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen, um die benötigte Basis für die theologische Expertise zu bilden. Dazu werden Handlungskompetenzen in Praktischer Islamischer Theologie, Seelsorge und komplementären, interdisziplinär ausgerichteten Wissenschaften in einem konstruktiven Dialog im Kontext der beruflichen Handlungsfelder miteinander verbunden.

Ressourcen der islamischen Seelsorge

  • Islamisch-theologische Ressourcen

Muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger sind im Glauben verankert, haben eine profunde Kenntnis des Koran, der Hadithe und der islamischen Mystik und somit ein gutes theologisches Fundament. Sie sind mit den Glaubensregeln, Ritualen, Symbolen und Gebeten des Islam vertraut.

  • Sprachliche Ressourcen

Menschen in der Krise erleben eine existenzielle Sprachlosigkeit. Verstärkt wird diese Sprachlosigkeit durch den in vielen Fällen noch jungen Prozess des Versuchs einer Beheimatung in einer eigentlich fremden Kultur. Daher ist es eminent wichtig, dass die Muslime mit Migrationshintergrund muttersprachliche Kommunikation erfahren. Muslimische Seelsorger sind zweisprachig, meist deutsch-türkisch oder deutsch-arabisch und tragen so zur Überwindung von Sprachbarrieren und zum Erleben einer sprachlichen Beheimatung bei.

  • Psychosoziale Ressourcen

Auf der psychosozialen Ebene können sie sich mit der professionellen Balance von bedingungsloser Wertschätzung, Empathie und Authentizität dem notleidenden Menschen zuwenden. Sie sind verantwortungsbewusst, vertrauenswürdig, psychisch stabil und auch in schwierigen Situationen kommunikationsfähig, weil sie ihr Fühlen, Denken und Handeln fortlaufender Reflexion unterziehen.

  • Interkulturelle und interreligiöse Ressourcen

Interkulturelle und interreligiöse Kooperation bedeutet, die Andersartigkeit und Verschiedenheit als Ressourcen anzuerkennen. Im Bereich der zwischenmenschlichen Begegnung wird die Erfahrung der grundsätzlichen Andersartigkeit und Fremdheit des Gegenübers entscheidend. Die Erfahrung kultureller Andersartigkeit ist ein unumgängliches Faktum. Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung begegnen sich immer in der Erfahrung einer gewissen Fremdheit.

Die Aufgabe interkultureller und interreligiöser Seelsorge besteht darin, nicht die gleiche Bedeutung, sondern den gleichen Sinn und Zweck durch die Mittel einer anderen Kultur bzw. Religion zu erfüllen.

Qualitativ nachhaltige und wirksame Seelsorge darf nicht bei ihrem religiösen Selbstverständnis stehen bleiben. Religiös eng geführte Angebote – jedweder religiösen Richtung – werden in der säkularen pluralen Gesellschaft kaum Akzeptanz finden.

Zugangsvoraussetzung

Der Zugang zum Masterstudiengang steht Bachelor-Absolventen und Absolventinnen aller deutschen und ausländischen Universitäten offen, die über einen ersten Abschluss mit einem Leistungsdurchschnitt von mindestens 2,5 im Fach Islamische Theologie, Islamwissenschaften bzw. in verwandten Religions- und Sozialwissenschaften oder über einen vergleichbaren Studienabschluss verfügen. Voraussetzung für die Zulassung sind außerdem praktische Erfahrungen im Bereich der Seelsorge oder des sozialen Engagements. Der Studiengang ist konfessionsgebunden. Für das Studium sind hinreichende deutsche und englische Sprachkenntnisse erforderlich. Die Unterrichtsprachen sind Deutsch und Englisch.

Curriculum (Überblick)

Modul-Nr.

   

Modultitel

Kurze Beschreibung

P1

Einführung in die Islamische Praktische Theologie

·      Eine allgemeine Einführung in die Hauptdisziplinen der praktischen islamischen Theologie.

·      Eine auf den textlichen Quellen der islamischen Theologie basierte Einführung in die Philosophie der islamischen Seelsorge.

P2

Rechtliche Grundlagen der Seelsorge

·      Thematisierung rechtlicher Fragen wie etwa Schweigepflicht, Jugendrecht, Strafrecht, Jugendrecht, Zivilrecht, Berufsrecht etc.

P3

Rahmenbedingungen und Handlungsformen Islamischer Seelsorge im Kontext der Sozialen Arbeit

·      Seelsorge im Rahmen sozialwissenschaftlicher und religionssoziologischer Fragestellungen.

·      Soziale Arbeit im Kontext von Migration und Religion.

P4

Islamische Seelsorge in der islamischen Tradition (Texte)

·      Texte aus dem Koran, Hadith und islamischen Kulturerbe, welche für die menschlichen Bedürfnisse der Muslime in Deutschland relevant sind, werden herausgearbeitet und ihre praktischen Anwendungsmögli-

chkeiten diskutiert.

·       Besondere Berücksichtigung findet die Theologie der Mystik, aus der sich Konzepte der islamisch-praktischen Theologie der Seelsorge ableiten lassen.

P5

Islamische Seelsorge in der Praxis

·      Bedeutung von Ritualen und ihrer Funktion in der Seelsorge.

·      Kultursensibler Umgang mit Ritualen am Beispiel von Krisen, Trauer und seelischer Not im interreligiösen und interkulturellen Kontext.

P6

Islamische Seelsorge in einer pluralen Gesellschaft

·      Im Sinne von  interdisziplinären Lehrveranstaltungen mit der christlichen praktischen Theologie werden Themen wie vergleichende Theologie, interreligiöse Ansätze in Krisensituationen, interreligiöse und interkulturelle Konfliktfelder der seelsorglichen Praxis, Seelsorge im Kontext der Pluralisierung und Individualisierung, Seelsorge im Kontext einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft, Seelsorge im Kontext der spirituellen und nichtspirituellen Seelsorge behandelt.

P7

Islamische Predigtlehre und Gefängnisseelsorge

·      Grundkenntnisse über die Struktur des Gefängnisses als Institution.

·      Einführung in die wissenschaftlichen und praktischen Grundlagen und Konzepte der Predigtlehre im Bereich der Jugendarbeit, Erwachsenenarbeit, Frauenarbeit, Gemeindearbeit.

P8

Praktikum I: Orientierung

·   Das Praktikum dient mit 120 Stunden als Orientierung und Begleitseminar zur Vertiefung der bisher gewonnenen handlungsorientierten Erkenntnisse und Fähigkeiten. Es dient der Einführung sowie der Begleitung und Reflexion in der Praktikumsphase. Das Praktikum umfasst Hospitation und Feldbeobachtung in einer Einrichtung der Seelsorge und Beratung im Sozial-, Gesundheits- oder Bildungswesen.

P9

Islamische Seelsorge Psychologie/ Pädagogik

·      Hier wird Wissen zu psychologischen und pädagogischen Theorien und Konzepten und ihren Anwendungsmöglich- keiten, die für die Seelsorge und Beratung relevant sind, vermittelt. Hierzu gehören Grundlagenwissen in sozialer, pädagogischer, und klinischer Psychologie sowie Beratungs-

methoden und Interventionsansätze in der Seelsorge.  

P10

Praktikum II:

Berufsperspektive

(Projektentwicklung und -durchführung)

·      Das Praktikum dient mit 240 Stunden als Anwendung und Umsetzung des im Studium erworbenen konzeptionellen und methodischen Fachwissens in Handlungsfeldern der Seelsorge und Beratung.

·      Reflexion der eigenen Erfahrungen und des professionellen beruflichen Handelns sowie der eigenen Rolle in Bezug auf Ratsuchende, Adressaten und Institutionen.

·      Die Studierenden schließen sich Projekten an, die unterschiedliche psychosoziale und gesellschaftliche Herausforderungen interdisziplinär behandeln.

·      In diesem Modul wird die  Supervision als Übung von 2 SWS angeboten.

P11

Medizinethik in der Klinikseelsorge

·      Die Behandlung von bioethischen und medizinethischen Fragestellungen: Sterbehilfe, Organtransplantation, Abtreibung, Euthanasie, Patientenselbstbestimmungsrecht, Reproduktionsmedizin, Schwangerschaftsabbruch etc.

P12

Masterarbeit und Kolloquium

·      Hier wird die Abschlussarbeit geschrieben. Dabei werden die Themen und Forschungsfortschritte der Studierenden während eines wöchentlichen Kolloquiums vorgestellt und besprochen. Theoretische und empirische Untersuchungen dienen als Fundament für die Masterarbeit, welche sich der Beantwortung einer Fragestellung im Rahmen der islamischen Seelsorge und Sozialen Arbeit widmet.

 

Ein wichtiger inhaltlicher Schwerpunkt des Curriculums ist die Wechselbeziehung der islamischen Theologie mit den praktischen Bereichen der Seelsorge und Sozialarbeit. Eine besondere, kursübergreifende Bedeutung kommt dabei der interdisziplinären Arbeit zu, in der die islamische Theologie stets mit unterschiedlichen Methoden und Theorien aus den Sozialwissenschaften und der Sozialarbeit kombiniert wird. Die zwei obligatorischen studienbegleitenden Praktika ermöglichen die systematische Reflexion der islamischen Theologie in unterschiedlichen psychosozialen Kontexten. Zwei weitere wichtige Schwerpunkte des Studiengangs sind seine interreligiöse Ausrichtung und seine starke praktische Orientierung. Theologische Themen werden stets mit Bezug auf gesellschaftliche psychosoziale Fragestellungen diskutiert.

Studierende werden mit den aktuell diskutierten Problemstellungen ihres Fachs vertraut gemacht und zur Leistung eigener Forschungsbeiträge befähigt. Mit der innovativen Forschung seiner jungen Professorinnen und Professoren, seiner internationalen Vernetzung, seinen zahlreichen akademischen Veranstaltungen und seiner engen Kooperation mit den beiden renommierten theologischen Fakultäten der Universität Tübingen bietet das Zentrum für Islamische Theologie einen idealen Forschungs- und Weiterbildungsstandort.

 

Chancen für die Schulseelsorge

Muslimische Jugendliche im Schulalter sind entsprechend ihrer Sozialisation und ihrem Umfeld mit einer Vielzahl von widersprüchlichen Impulsen konfrontiert: der staatliche Erziehungsauftrag verfolgt das Ziel, junge Menschen zu eigenständiger Selbstverantwortlichkeit heranzubilden. Junge Muslime müssen sich mit den unter Umständen gegensätzlichen Erwartungen ihrer Familien und der Community auseinandersetzen. Der daraus entstehende Druck kann für Kinder und Jugendliche  und für die Familie erheblich sein und kann durch Konfliktlagen die gesamte Schulkarriere muslimischer Schüler/-innen  belasten.

Schul-/Jugendseelsorge bis hinein in die Berufsschulen und Universitäten kann diese oft sehr emotionalen Prozesse für betroffene Muslime und auch den Lehrkörper durch Beratung, Gruppengespräche bis hin zur Krisenintervention in Einzelgesprächen befriedend begleiten und externe Hilfsangebote empfehlen. Schul-/Jugendseelsorger/-innen werden darauf auch mit pädagogischer Expertise vorbereitet.  

Dabei geht es auch immer wieder um Stärkung von Kindern und Jugendlichen, um wirksam religiös-motivierten Radikalisierungstendenzen und auch islam-feindlichen Haltungen wirksam zu begegnen und sich aktiv in Diskussionen einbringen zu können und sich für berechtigte Forderungen der Teilhabe in unserer Gesellschaft einzusetzen. Dabei ist anzumerken, Gefängnisse sind sicher aufgrund gegebener Erfahrungen ein wichtiger Ort der Prävention, besser wäre es aber für insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, durch seelsorgerische Betreuung nicht den Weg der Radikalisierung einzuschlagen und womöglich Schaden für die gesamte Gesellschaft anzurichten.

Das ZITh arbeitet seit Jahren eng mit dem Mannheimer Institut bei der Ausbildung von Krankenhaus- und Gefangenenseelsorgern in der Weise zusammen, dass die islamisch-theologischen Fundierungen von Dozenten des Instituts betreut werden.

Mit Blick auf eine voraussichtliche Anzahl von Studierenden des Master-Studiengangs Seelsorge sind vom Mannheimer Institut mit einem Curriculum unterlegte Überlegungen zu einem Konzept für die Schul-/Jugendseelsorge-Ausbildung ausgearbeitet worden, weil mit der zu erwartenden Zahl der Masterabgänger der Bedarf an Schul-/Jugendseelsorger/-innen nicht zu decken ist. Dieses erste Konzept wurde dem ZITh mit den Zielen, „Synergie“ und „Übereinstimmung beim Curriculum“ zu schaffen und das Institut für die „Betreuung der theologischen Themen“ durch Dozenten zu gewinnen.

Ohne staatliches Engagement, wahrscheinlich nicht anders als über Hilfskonstruktionen, ist diese absolut notwendige Aufgabe nicht zu erfüllen. Dazu müssen dann geeignete Organisationen ausgewählt werden, die ein angemessenes Qualitätsniveau der Ausbildung  und damit die Professionalität sicherstellen können.

Das moderne Krankenhaus als kulturelle Herausforderung

Die in Deutschland etablierten Krankenhäuser sind in der Regel weniger auf die Bedürfnisse muslimischer Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Zum Beispiel sind auf Krankenstationen oft Pflegekräfte und Ärzte anzutreffen, die im Umgang mit muslimischen Patientinnen und Patienten geringe Kultursensibilität aufweisen. Es bestehen Unsicherheiten hinsichtlich Ritualen, Regeln, Gewohnheiten und auch Bedürfnissen der Patienten. Für viele Muslime ist das moderne Krankenhaus in Deutschland vor allem eine kulturelle Herausforderung.

Während in den muslimischen Kulturkreisen „Kranksein“ primär als soziale Aufgabe der Familie und der Angehörigen des Patienten gilt, kann dieses soziale Konzept in den modernen Krankenhäusern zu Missverständnissen, gar zu Kollisionen führen. In unserer plural ausgerichteten Gesellschaft kann der Patient als Mensch mit seiner individuellen Biografie im Krankenhaus nicht unabhängig von seinen individuellen Wertvorstellungen betrachtet werden.

Hier treten die Krankenhausseelsorger/-innen als Brückenbauer auf, vermitteln für die kultur- und religionsspezifische Behandlung und Pflege zwischen Patienten und dem medizinischen Personal.

Ausbildung muslimischer Seelsorger

Der Masterstudiengang Islamische Seelsorge am ZITh bietet ein religiös motiviertes professionelles, aber zugleich auch ein menschennahes interpersonales Kommunikationsangebot für Notleidende in unserer modernen gegenwärtigen Gesellschaft, unabhängig von Weltanschauungen, auch von der Bindung an eine religiöse islamische Strömung, einer christlichen Konfession oder einem säkularen Weltbild folgend.

Vor diesem Hintergrund fördert der hohe Praxisbezug des Studiengangs den Studierenden, religiös-säkulare Konfliktfelder in ihrer Bedeutung für die historische Formierung und die Gegenwartsgestalt wissenschaftlicher Theologie fruchtbar zu machen. In diesem Sinne kann das Profil des Masterstudiengangs mit den internen Ausbildungen der Pfarrer, Diakone und Pastoralreferenten der christlichen Kirchen und auch den Ausbildungen der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie zwar nicht verglichen werden, jedoch bezogen auf das  Anforderungsprofil für Seelsorger/-innen her in seiner Äquivalenz gut mithalten.

Die in Notlagen, in Krisensituationen befindlichen Menschen sind bei allen Überlegungen und daraus resultierenden Planungen und letztlichen Entscheidungen in den Mittelpunkt zu stellen.

Das bedeutet, mit Blick auf eine voraussichtliche Zahl von Studierenden der Master-Studiengänge für Seelsorge wird der Bedarf an Seelsorger/-innen in den im Beitrag behandelten Seelsorgefachbereichen Krankenhaus, Gefängnis und Schule und anderen Seelsorgefachbereichen nicht zu decken sein. Ausbildungen regionaler Organisationen für die ehrenamtlichen Seelsorger/-innen, sicher auf Qualität und Professionalität geprüft, sollten staatliche Förderung finden. Modelle für eine berufsbegleitende Ausbildung sind zu entwickeln. Und sicher nicht zuletzt werden insbesondere Staat, Kirchen und islamische Glaubensgemeinschaften ein zukunftsstabiles Modell für die Finanzierung der Aufwendungen für ein Seelsorgesystem mit ehren- und hauptamtlichen Seelsorger/-innen entwickeln müssen, das, weil die Aufwendungen gerecht verteilt und organisatorisch umsetzbar sind, von der Bevölkerung und allen Akteuren akzeptiert wird.

Dr. Abdelmalek Hibaoui ist Professor für Islamische Praktische Theologie (Schwerpunkt Seelsorge) am Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) der Universität Tübingen. Er arbeitet als Referent zusammen mit dem Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog e.V. bei der Ausbildung muslimischer Seelsorger. Er war Vorstandsmitglied der International Association of Spiritual Care (IASC) der Universität Bern/Schweiz. Er ist Ausschussmitglied der Society for Intercultural Pastoral Care and Counselling (SIPCC).

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